Genomdaten aus einem Fürstengrabhügel in Łęki Małe zeigen, wie Elite-Familien ihre Toten bestatteten.
In einem frühbronzezeitlichen Grabhügel in Łęki Małe (Polen) wurden fünf Individuen genetisch untersucht. Die Forscher rekonstruierten einen Stammbaum über zwei Generationen: Im Zentrum steht eine hochrangige Frau, die zusammen mit den verstreuten Knochen ihres Vaters (nur symbolisch beigesetzt) und den vollständigen Skeletten ihrer Halb- und Vollbrüder bestattet wurde. Die Mutter der Geschwister wurde nicht gefunden, hatte aber Kinder mit zwei verschiedenen Männern. Das zeigt: Verwandtschaft wurde im Grab bewusst dargestellt, aber nicht einheitlich.
Von den vier im Datensatz erfassten Individuen aus dem Fürstengrabhügel Łęki Małe liegen vollständige Genomdaten vor. Die Y-chromosomale Linie konnte bei keinem bestimmt werden, sodass keine väterlichen Linien vorliegen. Die mitochondrialen Linien sind dagegen bekannt: Dreimal H18 und einmal H3v. Diese mtDNA-Haplogruppen sind in der Bronzezeit Europas verbreitet und stützen die Einordnung in den mitteleuropäischen Kontext.
Für Ahnenforscher zeigt die Studie, dass in Eliten der Frühbronzezeit biologische Verwandtschaft gezielt inszeniert wurde – aber flexibel. Wer im Hügel lag, verrät mehr über soziale Rollen als über starre Familienregeln. Genetik und Grabbefund zusammen ergeben ein differenzierteres Bild der damaligen Gesellschaft.