Neue Genomdaten von 66 Inselbewohnern zeigen, wie Steppen- und iranische Vorfahren den Westen erreichten.
Lange war unklar, wie Steppen- und iranische Vorfahren die westlichen Mittelmeerinseln erreichten. Eine Studie mit 66 alten Genomen von den Balearen, Sizilien und Sardinien zeigt: Steppen-Vorfahren kamen um 2400 v. Chr. von Iberien auf die Balearen, erreichten Sizilien um 2200 v. Chr. und trafen dort im 2. Jahrtausend auf iranische Vorfahren. Auf Sardinien blieb die frühe Bauernbevölkerung fast unverändert, bis im 1. Jahrtausend v. Chr. Einwanderer kamen.
Die Stichprobe umfasst 66 Individuen von den Balearen, Sizilien und Sardinien. Zwei Y-Linien sind aufgelöst: R-Z195 und E-V1039. Die mtDNA-Linien U8b1b1 und M1a1b1 deuten auf vielfältige weibliche Herkunft hin. Ein sardischer Ausreißer aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. hatte vor allem nordafrikanische Vorfahren und belegt zusammen mit einem etwa zeitgleichen Iberer einen frühen Genfluss von Afrika nach Europa.
Für Ahnenforscher zeigt sich: Die westlichen Mittelmeerinseln waren keine isolierten Außenposten, sondern Drehscheiben für Steppen-, iranische und afrikanische Vorfahren. Wer dort Wurzeln sucht, sollte mit mehrfachen, zeitlich gestaffelten Einwanderungswellen rechnen.