27 späte Neandertaler aus Nordwesteuropa: genetisch vernetzt statt isoliert.
Die Studie analysiert Erbgut von 27 Neandertalern aus zehn Fundstätten in Belgien und Frankreich, alle jünger als etwa 52.500 Jahre. Die meisten waren enger miteinander verwandt als mit anderen gleichzeitigen Neandertalern Europas. Einige trugen DNA einer älteren Neandertaler-Linie. Trotz zeitlicher Überschneidung mit frühen modernen Menschen gab es keinen recenten Genfluss. Anders als beim Altai-Neandertaler fehlten Anzeichen enger Inzucht, und die genetische Last nahm nicht zu.
Die Datenbank umfasst 37 Proben; 36 sind der Kultur Neanderthal zugeordnet. Die Y-chromosomale Auflösung ist gering: nur 4 Proben liefern ein Ergebnis, davon 3 Neandertaler und 1 Neandertaler-A21391. Die mtDNA zeigt J2a1a1a (3), N/A (2), U5b1c1a (1) und H (1). Die mtDNA-Haplogruppen U5 und H stammen wahrscheinlich aus späterer Kontamination oder moderner Referenz und sind nicht als Neandertaler-Mitochondrien zu werten.
Für Ahnenforscher zeigt die Studie: Späte Neandertaler in Nordwesteuropa lebten in größeren, vernetzten Gruppen als oft angenommen. Die genetische Vielfalt widerspricht der Idee einer reinen Inzucht-Extinktion. Wichtig: Die mtDNA-Haplogruppen U5 und H sind bei Neandertalern untypisch und wahrscheinlich keine echten Neandertaler-Linien.
| Haplogruppe | Proben | |
|---|---|---|
| Neanderthals | 3 | |
| Neanderthals-A21391 | 1 |
| Probe | Y-DNA | mtDNA | Kultur / Periode |
|---|---|---|---|
| SP4653 | Neanderthals | — | Neanderthal· Late Pleistocene |
| SP9962 | Neanderthals-A21391 | — | Neanderthal· Late Pleistocene |
| TMA002 | Neanderthals | — | Neanderthal· Late Pleistocene |
| TMA002.A | Neanderthals | — |