祖源树 Anmeldung Wissenschaftlich Antike DNA-Papiere

Demography and Life Histories across the Roman Frontier in Southern Germany 400-700 CE

Demografie und Lebensläufe über die römische Grenze in Süddeutschland 400–700 n. Chr.
PRJEB87112 Originalarbeit / DOI2026-04-29258 Proben (Studie)

KI-InterpretationKI-generiert

258 Genome zeigen: Kleine Gruppen, keine Massenmigration prägten Süddeutschland 400–700.

Die Studie untersucht 258 alte Genome aus dem ehemaligen römischen Grenzgebiet Süddeutschlands. Statt großer Völkerwanderungen fand man eine kleine Gründergruppe nordischer Abstammung, die sich ab dem späten 5. Jahrhundert mit vielfältigen römischen Provinzbevölkerungen vermischte. Bis zum 7. Jahrhundert entstand daraus eine Population, die modernen Mitteleuropäern ähnelt. Die Gesellschaft war von Kernfamilien, Monogamie und strikter Inzestvermeidung geprägt – mit hoher Kindersterblichkeit und einer Lebenserwartung von rund 40 Jahren.

Proben-Interpretation

Von 258 Individuen konnten 129 Y-Chromosomen zugeordnet werden. Die häufigsten Y-Linien sind E-BY35788 (15), I-PH1176 (7) und E-A8612 (5). Bei der mtDNA führen H2a (10), T2b2b (8) und U5a1a2a1 (7). Die meisten Proben stammen aus Altheim (110), Büttelborn (40) und Mömlingen (28). Diese Verteilung zeigt eine Mischung aus lokalen und zugewanderten Linien.

Für Ahnenforscher

Für Ahnenforscher zeigt die Studie, dass die eigene mitteleuropäische Herkunft oft auf ein Mosaik kleiner Gruppen zurückgeht. Die genetische Vielfalt und die Familienstrukturen ähneln spätromischen Praktiken – ein wichtiger Hinweis auf Kontinuität statt reiner Migration.

Zusammenfassung

Das Aufkommen neuer politischer und sozialer Strukturen in West- und Mitteleuropa während des Übergangs von der Antike zum Mittelalter wurde lange Zeit großräumigen Migrationen zugeschrieben. Doch neue Erkenntnisse betonen zunehmend die Rolle der Mobilität kleiner Gruppen bei der Umgestaltung der römischen Welt1,2,3. Hier präsentieren wir 258 alte Genome von der ehemaligen römischen Grenze Süddeutschlands, die wir zusammen mit 2.500 alten und 379 modernen Genomen analysieren. Populationsgenetische Analysen zeigen einen bedeutenden demografischen Wandel, der mit dem Zusammenbruch der römischen Staatsstrukturen im späten fünften Jahrhundert zusammenfällt, als eine Gründungspopulation nordeuropäischer Abstammung sich mit genetisch vielfältigen römischen Provinzgruppen vermischte. Stammbaummrekonstruktion und filia, eine Methode zur Ableitung der Abstammung nicht beprobter Verwandter, deuten auf weitverbreitete Heiraten zwischen den Gruppen und minimale kulturelle Differenzierung hin. Die genetische Struktur blieb bis ins sechste Jahrhundert bestehen, wobei die Vermischung bis zum frühen siebten Jahrhundert eine Population hervorbrachte, die modernen Mitteleuropäern ähnelt. Mithilfe von Chronograph zur Verfeinerung der Chronologie genealogisch verknüpfter Individuen schätzen wir eine Generationszeit von 28 Jahren, Lebenserwartungen von 39,8 Jahren für Frauen und 43,3 Jahren für Männer, eine hohe Säuglingssterblichkeit und eine Gesellschaft, in der fast ein Viertel der Kinder bis zum Alter von 10 Jahren mindestens einen Elternteil verlor, die meisten jedoch dennoch mit Großeltern aufwuchsen. Die Stammbäume offenbaren ferner eine Gesellschaft, die auf Kernfamilien basierte, lebenslange Monogamie praktizierte, strikte Inzestvermeidung betrieb, flexible Linienfortführung ermöglichte und keine Leviratsehen kannte, was auf eine Kontinuität spätrömischer sozialer Praktiken hindeutet, die später die europäische Familie prägten.

Proben & Daten auf TheYtree

258Proben auf der Website
129Y-Haplogruppe bestimmt

Paternale (Y-DNA) Haplogruppen

HaplogruppeProben
E-BY35788 15
I-PH1176 7
E-A8612 5
R-Z30 3
G-Z40854 3
I-FGC19383 2
I-FGC41265 2
R-Y32043 2
E-Y37831 2
R-P312 2
R-YP1700 2
R-U152 2

Maternale (mtDNA) Haplogruppen

Proben-Highlights Weitere Proben →

ProbeY-DNAmtDNAKultur / Periode
Btb161_1 E-PH1403 H49a Büttelborn· 501-700
STRAZ_I_37 E-MZ89 U6a1a Straubing Azlburg· 350/360-390/400; probably ZS C (Moosbauer 2005)
Alh_114 E-BY35788 T2b2b Altheim
Alh_115 E-BY35788 T1a9 Altheim· 580-600
Alh_116 I-PH1176 H1-e Altheim
Alh_117 I-PH1176 T2b2b Altheim· 530-600
Alh_118 J-CTS11760 K1a4a1 Altheim
Alh_119 J-Z1043 K1a4a1 Altheim· 580-620
Alh_122 E-BY35788 H Altheim· 580-600
Alh_123 E-BY35788 J1c-C16261T Altheim